Hundeernährungsberater – 6 Grundlegende Tipps für eine artgerechte Haltung

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Angesichts der riesigen Auswahl an Futtermitteln für Hunde sind Halter bei der Auswahl regelrecht überfordert. Dieser Ratgeber informiert über einige der wichtigsten Faktoren und kann die Kaufentscheidung erleichtern.

Der Großteil der Futtermittelhersteller für Hunde hat in erster Linie eines im Sinn: Den Profit. Die Unternehmen sind wirtschaftlich orientiert, was generell natürlich nichts Verwerfliches ist.

Allerdings sollte man sich als Verbraucher von den wohlklingenden Werbesprechen, die auf Futterprodukten präsentiert werden, nicht blenden lassen. Viele Hundebesitzer kaufen leider nach wie vor „blind“ ein und vertrauen den Herstellern gutmütig.

Dass das ein großer Fehler sein kann, stellt sich meist erst nach vielen Jahren heraus, wenn die Tiere krank werden oder unter einer mangelhaften Versorgung lebensnotwendiger Nährstoffe leiden. Doch wie lassen sich artgerechte Produkte von minderwertiger Ware unterscheiden? Diese Frage soll nachfolgend beantwortet werden.

Hoher Fleischanteil unerlässlich

Der Verdauungsapparat von Hunden ist auf die Verwertung von Fleisch ausgelegt.  Der Organismus der Tiere gewinnt Energie hauptsächlich aus dem tierischen Eiweiß, weshalb der Fleischanteil bei mindestens 70 Prozent liegen sollte.

Je hochwertiger die Eiweißquelle, desto besser für den Hund. Das bedeutet, dass bereits die Art und Qualität des Fleisches ausschlaggebend bei der Futterwahl ist. Als besonders gut verträglich, haben sich Lamm-, Huhn- und Truthahnfleisch erwiesen.

Empfindlich reagieren manche Hunde auf Rindfleisch. Kommt es zu Problemen bei der Fütterung, kann die Ursache mit dem Ausschlussverfahren ermittelt werden. Hierfür sollte Futter mit nur einer Eiweißquelle bereitgestellt werden, also mit nur einer Fleischsorte.

Neben Eiweiß liefert Fleisch lebensnotwendige Fette, die viele wichtige Aufgaben im Hundekörper übernehmen. Für mehr Abwechslung auf dem Speiseplan kann als Alternative regelmäßig Fisch als Eiweißquelle gefüttert werden.

Pflanzliche Bestandteile ein Muss

Hund Ernährung pflanzliche Inhaltsstoffe

Eine gute Ernährung für deinen Hund besteht zu ca. 30% aus Pflanzen

Damit ein Hund ausreichend mit Mineralstoffen, Spurenelementen, Aminosäuren und Vitaminen versorgt wird, reicht Fleisch allein allerdings nicht aus. Denn obwohl der Hund ein Fleischfresser ist, benötigt er pflanzliche Bestandteile für die einwandfreie Funktion seiner Körperfunktionen. Deutlich wird dies, wenn man sich das natürliche Fressverhalten von Hunden in freier Wildbahn anschaut.

Dort jagen sie kleine Beutetiere wie Hasen oder Mäuse und nehmen über sie weit mehr als nur Muskelfleisch auf. Stattdessen fressen sie die Beute oft vollständig inklusive Knochen, Fettgewebe, Haut, Innereien sowie dem Mageninhalt der Beutetiere. Da es sich meist um pflanzenfressende Beute handelt, frisst der Hund indirekt Kräuter, Gemüse und Früchte.

Deshalb ist es elementar, dass neben den mindestens 70 Prozent Fleisch rund 30 Prozent der Hundeernährung mit Gemüse, Kräutern und Obst gedeckt werden. Auch Wurzeln dürfen enthalten sein.

Für Hunde gut verträgliche Gemüse- und Obstsorten sind beispielsweise Zucchini, Karotten, Äpfel und Bananen.

Bei Karotten ist es elementar, dass diese in Kombination mit Ölen (z.B. Distel- und Leinöl) oder anderweitig qualitativen Fetten gefüttert werden. Ansonsten kann der Organismus das Beta-Carotin nicht verwerten.

Wer den Fleischanteil mit selbst gekochten Lebensmitteln ergänzen will, kann ungewürzten Naturreis oder Kartoffeln verwenden. Kurz- und Langkornreis sind ratsam, auf Fertigreis sollte verzichtet werden. Kartoffeln müssen geschält und gekocht werden, bevor sie Hunde erhalten.

Denn die rohen Vertreter sind giftig! Giftig sind übrigens auch viele andere Lebensmittel wie Kakao, Kernobst, Zwiebeln oder rohe Bohnen.

Bitte pürieren

Eine wesentliche Regel zum Füttern von pflanzlichen Substanzen lautet: Alles muss püriert werden, weil Hunden ein entscheidendes Enzym fehlt, das pflanzliche Zellwände zerstört.

Wird Hunden Gemüse, Obst und Co. unpüriert verfüttert, werden die wertvollen Nährstoffe zum größten Teil einfach wieder ausgeschieden. Nach dem Pürieren sind die Zellen gespalten und der Organismus kann von den bioaktiven und gesundheitsfördernden Vitalstoffen profitieren.

Inhaltsstoffe checken!

Ob das Verhältnis zwischen Fleisch und Pflanzenteilen stimmt, lässt sich unter anderem an der Reihenfolge der Inhaltsstoffe erkennen. Wie bei Lebensmitteln für den Menschen sind die Inhaltstoffe abhängig von der Menge in absteigender Reihenfolge aufgeführt. Der größte Anteil macht demnach der Inhaltsstoff aus, der an erster Stelle gelistet ist.

Auf der Verpackung von Hundefutter werden die sogenannten „Analytischen Bestandteile“ prozentual angegeben. In der folgenden Tabelle wurden die Begriffe erläutert und eine mengenmäßige Empfehlung ergänzt:

 

BegriffEmpfehlungen
RohascheSteht für Mineralstoffe und Spurenelemente. Sollte maximal bei 5 % liegen. Ansonsten können Nierenschäden die Folge sein.
Rohfaser2 bis 3 % wären optimal. Rohfaser ist für die Regulierung der Verdauung unverzichtbar.
FeuchtigkeitLiegt der Wassergehalt des Futters bei mehr als 14 Prozent, muss der Wert angegeben sein. Wie viel Feuchte im Futter enthalten sein darf, ist festgelegt. Während es bei Trockenfutter maximal 14 Prozent sind, liegt der Wasseranteil bei Feuchtfutter zwischen 70 und 85 %. Halbfeuchtes Futter weist einen Wassergehalt von 20 bis 40 % auf.
RohfettBezieht sich auf Fette, Öle und sonstige fettähnliche Inhaltsstoffe. Je höher der Rohfett-Anteil, desto höher der Energiegehalt.

Empfehlung: mindestens 5 %

RohproteinDas Rohprotein lässt Rückschlüsse auf die enthaltenen Proteine zu.

Empfehlung: mindestens 18 %, üblich sind 20 bis 30 % (bei einem erwachsenen, normal ausgelasteten Hund sollten es ca. 22 bis 23 Prozent sein)

 

Achtung: Bei den Angaben handelt es sich lediglich um Richtwerte, die der Orientierung dienen.

Die tatsächliche Qualität des Futters lässt sich allerdings über die analytischen Bestandteile nicht deuten. Selbst wenn die Zusammensetzung ideal ist, kann das Futter minderwertig sein. Die Angaben dienen lediglich der Bestimmung von Nährstoffgruppen.

Getreide- und zuckerfreie Alternativen wählen

Viele Futtermittelhersteller verkaufen Hundefutter mit einem viel zu hohen Getreideanteil.

Egal ob Mais, Soja oder Weizen – diese Inhaltsstoffe bringen Hunden keinen gesundheitlichen Vorteil, sondern dienen der Industrie hauptsächlich als Füllstoff.

Sie machen Hunde zwar satt, liefern ihnen aber kaum Nährstoffe, die sie für ihre dauerhafte Gesundheit benötigen.

Hinzu kommt, dass das Verdauungssystem von Hunden Getreide schlecht verträgt, weil es auf die Verstoffwechselung von Fleisch ausgerichtet ist. Durchfall, Erbrechen, Blähungen und viele andere Beschwerden können auftreten.

Besondere Probleme machen die in Getreide enthaltenen Stoffe Gluten und Stärke. Während Gluten beispielsweise in Roggen, Weizen und Dinkel vorkommt, sind Getreidesorten wie Hirse oder Mais zwar glutenfrei, doch die enthaltene Stärke kann ebenfalls Beschwerden verursachen.

Hunde vertragen nur eine stark begrenzte Menge an Getreide. Geht der Anteil über den Toleranzwert hinaus, können sich Unverträglichkeiten entwickeln.

Es gibt Hundefutter mit einem Getreideanteil von 80 Prozent! Mit einer artgerechten Ernährung hat das nichts mehr zu tun.

Es kommt zu einem für das Tier verhängnisvollen Defizit an tierischem Eiweiß. Bei sehr sensiblen Tieren sollte gänzlich auf Getreide und getreidehaltige Produkte wie Brot oder Nudeln verzichtet werden.

Gleichermaßen Fehl am Platz ist Zucker in Hundefutter. Hunde können Zucker nicht verwerten, weshalb Blähungen und Durchfall nach dem Fressen häufige Begleiterscheinungen sind. Zudem fördert Zucker Zahnprobleme beim Hund.

Zusatzstoffe meiden

Neben Getreide sind synthetische Zusatzstoffe zu meiden. Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, Lockstoffe und Farbstoffe haben in einem artgerechten und gesunden Futter nichts verloren. Sie können Allergien auslösen und schaden dem Tier in vielerlei Hinsicht.

Fazit

Wer sich mit der Thematik Hundefutter näher beschäftigt, stellt fest, dass es gar nicht so schwer ist gute von schlechten Produkten zu unterscheiden.

Werden mindestens 70 Prozent des Inhalts mit einer hochwertigen tierischen Eiweißquelle gedeckt und bestehen die übrigen rund 30 Prozent aus püriertem Gemüse, Kräutern und Obst, sind Hundehalter bereits auf dem richtigen Weg.

Ist das Futter zudem frei von künstlichen Bestandteilen und enthält, wenn überhaupt, nur einen minimalen Getreideanteil, ist dies ebenfalls vorteilhaft.

Extra-Tipp!

Hunde lieben es zu Kauen und können dabei Stress abbauen und ihre Zähne reinigen. Um ein gutes Hundefutter zu ergänzen und das natürliche Verlangen nach Kauen zu stillen, sollten natürliche Snacks bereitgestellt werden.

Folgende Produkte sind empfehlenswert und minderwertigen Alternativen mit Zuckeranteil oder synthetischen Bestandteilen immer vorzuziehen:

  • Ochsenziemer
  • Rinderpansen
  • Rinderohren
  • Schweineohren

Hinweis: Die hier erwähnten Tipps sind unabhängig davon, ob sich Halter für Trocken- oder Nassfutter entscheiden.

Über die Autorin

Gaby Fello.deDieser Gastartikel wurde von Gabriele Klose verfasst. Sie schreibt normalerweise auf ihrem Haustier-Blog fello.de und veröffentlicht dort regelmäßig informative Artikel zu diversen Themen im Bereich Hund, Katze und Nager. Darunter Tipps zur Ernährung, Erziehung, Haltung und Beschäftigung von Hunden. Ihre Inspirationsquelle ist der Familienhund Tony, ein Straßenhund aus Ungarn, der über den Tierschutz ein neues Zuhause fand.

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